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hintergrund
01.02.2010
(oej) Tettnang. Vor siebzig Jahren wurden die ersten Pfingstweid-Bewohner "verlegt". Emotionen, Würde, Erinnerung an Schreckliches, Engagement aller Beteiligten und reges Interesse von Behinderten und Nichtbehinderten kennzeichneten den Abend der Erinnerung am Montag in der diakonischen Einrichtung für geistig behinderte Menschen.

Einige Tettnanger Bürger, Angehörige und Eltern, Teile des Jugendgemeinderates und viele Pfingstweid-Bewohner und -Mitarbeiter waren in die Pfingstweid-Gemeinschaftshalle gekommen.

Du musst mit
Das Thema ist denkbar schwierig. Das war auch der Einstieg in den Abend. "13 Bewohner wurden verlegt" bedeutet nichts weniger als ein Terminus technicus der nationalsozialistischen Machthaber für "abtransportiert, um sie dann in Grafeneck zu ermorden". Es erfordert die richtige Mischung aus würdigem Gedenken, Trauer, aber auch Information. Die Auftaktveranstaltungen der Diakonie Ende letzten Jahres haben gezeigt, es geht darum, den Opfern Namen zu geben. Erinnerung zu bewahren, das Schreckliche zu veranschaulichen. Die Gedenkveranstaltungen sorgen dafür, dass das Verbrechen der Vernichtung so genannten "unwerten Lebens" nie wieder vorkommt. Und dass es nicht beschönigt oder verdrängt wird. Moderator, Choreograf, Sänger, Musiker, Autor, Regisseur und Chef der Inszenierung: viele Aufgaben für das Mulitalent Fritz Mäser, dem Verantwortlichen für den Bereich Kultur und Bildung beim Heim Pfingstweid. Ihm gelang es mit seinem Team das schwierige Thema szenisch und musikalisch anspruchsvoll, ergreifend und informativ umzusetzen.

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Abgeholt aus der Mitte des Lebens, weggerissen aus der Heimat.

Als die grauen Busse kamen
Zu keinem Zeitpunkt peinlich oder rührselig, schafften es die Darsteller, überwiegend behinderte Menschen, auf der Bühne überragend dicht und authentisch an das schreckliche Ereignis der Verbringung der ersten 13 Euthanasie-Opfer aus Pfingstweid zu gedenken. Den Horror der Massenvernichtung zeigten die Pfingstweidler mit Kurzbeschreibungen der Opferschicksale, mit Balladen, mit Fotos und szenischen Darstellungen des Aussortierens und Abholens, mit einem grauen Busheck. Die Heimbewohner spielten mit - und waren einerseits gut drauf, andererseits doch sehr nachdenklich. Mäsers Texte trafen auf den Punkt - ohne das Ereignis emotional zuzudecken.

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Die Abgeholten vor den Gedenkstatuen der Euthanasieopfer.

Besonderer Respekt
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Regisseur, Autor, Moderator und Sänger Fritz Mäser, bei Pfingstweid fr den Bereich Kultur und Bildung verantwortlich.
Das merkte auch das Publikum, von denen sich noch einige im Anschluß im Café zusammenfanden. "Wir haben heute was ganz Besonderes erlebt" war zu hören. Gut kam auch die kleine Ausstellung und der Büchertisch an, die Mäser und sein Team aufgebaut hatte. Hier konnte man schwarz auf weiß sehen, mit welch bürokratischer Menschenverachtung Epileptiker, Menschen mit Geburtsschäden oder geistig Zurückgebliebene ermordet wurden. Erinnerungsveranstaltungen wie diese zeugen vom tiefen Respekt und von der Verantwortung dafür zu sorgen, dass sich so etwas nie wieder ereignen kann. Deswegen sind auch weitere Erinnerungsveranstaltungen zu den kommenden Gedenktagen im Heim Pfingstweid geplant.



Fragen, Interviewpartner, Lokaltermine, Fotos oder O-Töne vermittelt Ihnen für Heim Pfingstweid e.V. gerne

Olaf E. Jahnke
Komintext
Tel.
07542 9408785
Mob.
0171 5457532
Web.
www.komintext.com
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