20.12.2020

Corona: So sieht die Teststrategie bei der Diakonie Pfingstweid aus

Dass der Antigen-Schnelltest in dieser Woche bei zwei Mitarbeitenden und acht Klienten der Diakonie Pfingstweid angeschlagen hat, ist auch einer Veränderung der Teststrategie geschuldet. Denn mit Dezember ist das Netz bei der Diakonie diesbezüglich engmaschiger geworden. Die Betroffenen selbst seien bisher symptomfrei, sagt Pfingstweid-Vorstand Lars Kehling. Allerdings müssen die Ergebnisse noch durch PCR-Tests bestätigt werden, weil auch ein falsch-positives Ergebnis des Schnelltests möglich ist. Das PCR-Resultat wird laut Kehling in den nächsten Tagen erwartet.

Im Grunde kommt die neue Strategie dem Versuch gleich, die Nadel im Heuhaufen zu finden. Denn beim Auftreten von Symptomen war es bisher auch schon üblich, mit einem PCR-Test Klarheit zu schaffen und die Betreffenden in die Quarantäne zu schicken. Die große Unbekannte war die Frage, ob und wie viele unauffällige Corona-Infizierte es gibt.

Beim Schnelltestest sind dabei zwei Gruppen auf dem Kerngelände aufgefallen. Die Hauruckaktion, bei der in kurzer Zeit alle weiteren Mitarbeitenden und Klienten getestet worden sind, brachte laut Kehling ausschließlich negative Ergebnisse hervor. Dass jetzt alles so schnell gegangen ist und gehen konnte, war laut Kehling zwar ungeplant, dürfte aber das Ergebnis der Vorbereitung aufs neue Testkonzept sein.

Alle Abteilungen der Diakonie Pfingstweid gehen an allen Standorten jetzt in einen zweiwöchigen Testrhythmus. Im Lauf der einen Woche wird so beispielsweise bei allen Bewohnerinnen und Bewohnern ein Antigen-Schnelltest gemacht und in der Folgewoche bei allen Mitarbeitenden derselben Einheit. Bei Verdachtsmomenten wie etwa Symptomen gibt es zusätzliche Tests außer der Reihe. Das Ziel dieser Strategie sei, so Kehling, die Dunkelziffer so weit wie möglich nach unten zu drücken und Infektionen möglichst frühzeitig zu erkennen.

Dass nun direkt zu Beginn positive Testergebnisse ans Licht gekommen sind, ist wohl einem Zufall geschuldet: Wäre die Reihenfolge eine andere gewesen, wäre das wohl erst später aufgefallen – auch wenn positive Ergebnisse wegen einer gewissen Fehlerquote noch durch einen PCR-Test bestätigt werden muss. Bis dahin befinden sich die Betroffenen in Quarantäne.

Dass es möglich gewesen ist die Tests in so kurzer Zeit vorzunehmen, hängt laut Kehling damit zusammen, dass bereits viele Mitarbeitende hierfür geschult worden sind. Zwar gibt es ein Testzentrum auf dem Kerngelände für Besucher und Teile der Belegschaft, doch die regelmäßigen Tests seien gerade an Außenstandorten nur möglich, wenn das auch dort stattfinde, so der Vorstand. Da mittlerweile sowohl examinierte Pflegekräfte als auch Heilerziehungspfleger nach Schulungen Tests vornehmen dürften, sei das jetzt auch in dieser Form möglich.

Bis zu 6750 Tests kann die Pfingsweid im Monat vornehmen, so hoch ist das genehmigte Kontigent. Sieben bis neun Euro kostet einer der Tests. Dies ist über die Kassenärztliche Vereinigung abrechenbar. Die Menge der Schnelltests richtet sich an der Zahl der Bewohner aus. Bis zu 30 Tests sind pro Person pro Monat theoretisch möglich, wobei darunter auch Tests bei Personen fallen, die mit dem Bewohner zu tun haben, etwa Betreuer oder Besucher.

Die Kosten für die Durchführung des Tests selbst könnten in der Behindertenhilfe anders als in der Altenhilfe wiederum nicht abgerechnet werden, sagt Kehling. Allerdings entstünden der Diakonie keine Zusatzkosten, weil die Mitarbeiter das in ihren Alltag integrieren würden. Eine Mitarbeiterin werde allerdings komplett im Testzentrum auf dem Kerngelände eingesetzt, ein weiterer Mitarbeiter sei intensiv unter anderem mit den Schulungen befasst.

Besucher müssen sich ebenfalls testen lassen und dafür 20 Minuten mehr einplanen. Solange dauert es, bis das Ergebnis da ist. Das ändert laut Kehling aber nichts daran, dass auf dem Gelände selbst und in den Einrichtungen weiterhin die gleichen Maßnahmen gelten. Auch bei negativem Ergebnis gilt Abstand und Mund-Nasen-Schutz. Die Bewohner können sich mit ihren Besuchern im Freien bewegen oder Besuchsräume nutzen.

Bei einem positiven Testergebnis hingegen geht es für Bewohner oder Mitarbeiter bis zur Klärung in Quarantäne. Besucher erhalten in einem solchen Fall eine Bescheinigung, die einen PCR-Test ermöglicht und sollen sich ebenfalls isolieren.

Anders als im Frühjahr soll dieses Vorgehen ermöglichen, dass die Diakonie Pfingstweid auch für externe Besucher geöffnet bleibt. Und auch die Ehrenamtlichen sind weiter im Einsatz. Hier sei sogar noch mehr Bedarf, sagt Kehling. Gerade Pflegefachkräfte im Ruhestand seien beispielsweise sehr gesucht, weil sie mit ihrer Qualifikation das Stammpersonal beim Testen entlasten könnten.

 

Artikel: Schwäbische Zeitung, Mark Hildebrandt, 21.12.2020

(Foto: Symbol: Sebastian Gollnow/dpa)

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