11.01.2021

Diakonie Pfingstweid: Ein Haus ist fast coronafrei, dafür ist eine neue Gruppe betroffen

Derzeit gibt es 16 aktive Corona-Fälle auf dem Kerngelände der Diakonie Pfingstweid. Nachdem die Bewohner eines Hauses mit vier Gruppen (bis auf drei Nachläufer mit noch nicht negativem PCR-Test) aus der Quarantäne heraus sind, sind nun zwölf Tests bei 14 Klienten in einem anderen Haus positiv ausgefallen – ebenso bei vier Mitarbeitenden dort. Laut Diakonie ist in zwei Fällen Fieber aufgetreten, alle anderen sind asymptomatisch.

Für die verbleibenden Mitarbeitenden sei die Belastung dadurch natürlich hoch, sagt Pfingstweid-Vorstand Lars Kehling: Immerhin müssten die jetzt in Vollschutzmontur arbeiten. Auch wenn die Verläufe bisher bei Bewohnern und Mitarbeitenden bisher glimpflich gewesen seien, wolle er sich nicht aufs Glück verlassen. So könne es schließlich auch später noch zu einer Verschlechterung bei den Betroffenen kommen. Deswegen unternehme die Diakonie auch große Anstrengungen auf eigene Kosten.

In Zahlen heißt das laut Kehling bei rund 20 Millionen Euro Jahresumsatz, dass die Diakonie bis Ende November 170 000 Euro Mehrkosten für Schutzausrüstung wie FFP-2-Masken oder durch leerstehende Zimmer wegen des Aufnahmestopps gehabt hat. Auf der anderen Seite seien die Werkstätten wegen der Auflagen nicht voll auslastbar. Hier komme auch noch mal eine Fehlsumme in dieser Größenordnung zustande.

Dies war der Stand vor den ersten positiven Schnelltests, nachdem die neue Teststrategie angewandt worden ist. Auch wenn die Schnelltests selbst für Einrichtungen der Behindertenhilfe kostenfrei sind – die Durchführung ist es nicht. Hierfür hat die Diakonie eine Mitarbeiterin abgestellt. Und nicht mit eingerechnet sind etwa freiwillige PCR-Tests von Mitarbeitern über den Betriebsarzt, die die Diakonie laut Kehling 149 Euro kosten. PCR-Tests über den Hausarzt können hingegen über die Krankenkasse abgerechnet werden.

Im Grunde laufe es auf eine schwarze Null hinaus, sagt Kehling. Das Problem an der Situation sei aber, dass die Diakonie als gemeinnütziger Verein nur Rücklagen für Investitionen bilden dürfe. Hier ist derzeit die Dezentralisierung das Großprojekt das Träger der Behindertenhilfe in Atem hält. Kehling sagt, dass es so zu der Situation kommen könne, dass eigentlich notwendige Investitionen um ein Jahr aufgeschoben werden müssten.

Kehling ist zugleich Vorsitzender des evangelischen Fachverband für Behindertenhilfe und steht im Austausch mit anderen Einrichtungen. Er sagt, dass es bei einigen von ihnen auch negative Jahresabschlüsse geben werde. Es sei eigentlich Aufgabe der Landkreise, die Finanzierung in diesem Bereich zu übernehmen. Während das Land sage, dass das notwendige Geld für die Wiedereingliederungshilfe an die Landkreise gezahlt worden sei, würden diese verneinen, sagt Kehling. Das führe dazu, dass die Träger die Kosten zumindest vorläufig selbst übernehmen würden. Das sei schade, zumal die Zusammenarbeit mit dem Landkreis sonst in der Regel gut funktioniere.

Alle sprächen vom Schutz vulnerabler Gruppen, sagt Kehling in seiner Verbandsfunktion. Aber anders als etwa in der Altenhilfe werde der Streit über die Finanzierung auf dem Rücken von Menschen mit Behinderung ausgetragen. Wobei er betont, dass er es so, wie es in der Altenhilfe laufe, richtig finde. Er bedaure vielmehr, dass das in der Wiedereingliederungshilfe so ein Problem sei. Als Beispiel nennt er vier Gruppen in einem Haus, in dem zwei (bei gleicher Tätigkeit) als Altenhilfe eingestuft seien: Dort laufe die Finanzierung etwa der Ausrüstung problemfrei.

Artikel: Schwäbische Zeitung, Mark Hildebrandt, 08. Januar 2021

Links