18.12.2019

Freude am künstlerischen Schaffen

"Weihnachtsausstellung" mit Werken von Menschen mit Behinderung im Graf-Zeppelin-Haus eröffnet

Bilder, die mit Wachskreide auf Papier, mit Acryl und Kohle auf Holz oder Leinwand gemalt sind, Collagen oder Styropordrucke. Bilder, die sich mit Alltagssituationen, mit Menschen, Tieren oder Pflanzen auseinandersetzen. Farbenfrohe Vögel, eine Blumenwiese, surreal bemalter Ton. Alles in allem bringt die „Weihnachtsausstellung“, die am Sonntag im Foyer des Graf-Zeppelin-Hauses eröffnet wurde, große Schaffenskraft, Kreativität und vor allem Freude an der künstlerischen Betätigung zum Ausdruck.

Präsentiert werden Kunstwerke von Menschen mit Behinderung – gefertigt in der Kreativwerkstatt der Diakonie Pfingstweid, im Gemeindepsychiatrischen Zentrum, in der Kreativwerkstatt Rosenharz der Stiftung Liebenau, in der „Schule am See“ der Stiftung des Körperbehindertenzentrums Oberschwaben oder der Tannenhag-Schule.

„Die Stimmung steigt. Leben pur. Etwas erleben. Hinaus in die Welt“, intoniert die Band „NaUnd!“ der Diakonie Pfingstweid gleich zu Beginn der gut besuchten Vernissage und weist damit den Weg in die richtige Richtung. „Wir möchten in einer Gesellschaft leben, in der es keine Randgruppen gibt und in der niemand außen vor bleibt“, betont Bürgermeister Andreas Köster in seiner Ansprache und wirbt dafür, den Blick für die Vielfalt und die bunte Palette des Menschseins zu öffnen. „Sich künstlerisch zu betätigen ist mehr als nur Freizeitgestaltung. Es ist auch eine Plattform der Kommunikation“, sagt er. „Mit der Ausstellungseröffnung möchten wir den Menschen, die diese Kunstwerke geschaffen haben, ein Gesicht geben. Es soll sichtbar werden, wie viel Ideenreichtum hinter ihrem Tun steckt.“

„Kunst ist der Glanz der Wahrheit, und die Möglichkeit, die Welt mit anderen Augen zu sehen“, so die Sichtweise von Dirk Mußmann als Kaufmännischer Vorstand der Diakonie Pfingstweid. „Und es braucht Mut, seine Werke auszustellen und sich selbst gegenüber der Öffentlichkeit darzustellen“, sagt er. „Es ist wirklich sehr beeindruckend, mit welcher Ausdruckskraft und Liebe zum Detail hier gearbeitet wurde“, stellt auch der evangelische Co-Dekan Gottfried Claß bei einem Rundgang durch die Ausstellung begeistert fest – und hat gleich eines seiner Lieblingsbilder ausgemacht: Es heißt „Konstanz“ und stellt in liebevoller Weise eine sommerliche Hafeneinfahrt dar. „Kunst hat an unserer Schule einen wichtigen Stellenwert“, erklärt Marc Hoher, Lehrer an der Tannenhag-Schule. „Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich die Schülerinnen und Schüler gedanklich und gefühlsmäßig auf ihre Werke fokussieren und damit zum Ausdruck bringen, was sie verbal vielleicht nicht so gut können.“

Strahlende Mienen natürlich bei allen Beteiligten. „Toll, was ich mit Farben bewirken kann“, sagt zum Beispiel Eva Tettey-Enyo, die aufgrund ihrer motorischen Einschränkungen am liebsten mit einem dicken Pinsel oder direkt mit den Händen malt. Gerne auch zu lauter Rockmusik. „Das inspiriert“, sagt sie – und freut sich über die Hilfestellungen von Kunsttherapeutin Irmgard Stegmann.

„Ich bin wie ich bin, und ich bin stolz darauf“, singt die Band und erhält dafür viel Beifall. Bei einem heißen Glas Punsch können die Besucher mit den Künstlern ein wenig ins Gespräch kommen. Die Ausstellung kann noch bis zum 20. Januar während der Öffnungszeiten des Graf-Zeppelin-Hauses besichtigt werden.

Text: Schwäbische Zeitung 18.12.2019, Brigitte Geiselhart

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