10.08.2020

Leuchtturmprojekt mit visionärer Kraft

Sozialminister Manne Lucha zeigte sich beim Informationsbesuch in der Diakonie Pfingstweid vom Konzept der „Quartiersentwicklung“ beeindruckt

Beim Leben im Quartier geht’s nicht nur um die eigenen vier Wände, sondern um das ganze Wohnumfeld, um Kontakte zwischen Jung und Alt, auch ums Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung. Dass die Entwicklung zukunftsorientierter sozialer Quartierskonzepte für die Diakonie Pfingstweid e.V. hohe Priorität hat, davon zeigte sich Baden-Württembergs Sozialminister Manne Lucha bei seinem Informationsbesuch sichtlich beeindruckt. Auf dem Stammgelände Menschen mit Handicap zu betreuen und darüber hinaus ein sozial durchmischtes Wohnquartier zu entwickeln, dieser Gedanke steckt hinter dem „Masterplan 2030“ der Diakonie Pfingstweid. Begonnen wurde bereits mit dem Neubau zweier Fachpflegehäuser, in denen je 24 Menschen in unterschiedlichen Wohngruppen leben sollen. Bis 2030 sollen auf dem kompletten Gelände bis zu 150 Wohneinheiten entstehen, in denen vor allem auch junge Familien und Senioren ein neues Zuhause finden können. Elemente wie der Aktivspielpark oder die Begegnungsoasen sollen von Bewohnern gleichermaßen aktiv genutzt werden.

„Leben ein Ort. Ein Ort zum Leben“ – mit dieser Kernbotschaft wolle man die Quartiersentwicklung vorantreiben, betonte Pfingstweid-Vorstand Lars Kehling in seiner Begrüßung. „Wir möchten nicht nur nach außen gehen, sondern auch, dass die Menschen zu uns kommen.“ Mit dem Baubeginn der ersten Wohnhäuser habe man den ersten sichtbaren Schritt getan und werde damit auch architektonisch eine Nahtstelle zum künftigen Quartier schaffen. „Wir wollen gelebte Inklusion am Standort verwirklichen und Zukunft gemeinsam mitgestalten“, sagte Lars Kehling. Mit der Entwicklung des Quartiers wolle man sich auch Herausforderungen außerhalb des Themenbereichs der klassischen Behindertenhilfe stellen. Es gehe um soziale Infrastruktur, um gemeinschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Lebenswelten.

„Die Gemeinde kommt zu den Menschen mit Behinderung. Mit dieser städtebaulichen Entwicklung von außen nach innen wird etwas Neues gewagt“, so die lobenden Worte von Minister Lucha, der von einem „Leuchtturmprojekt mit visionärer Kraft“ sprach und insbesondere die vorbildliche Partnerschaft der Diakonie Pfingstweid mit der Stadt Tettnang würdigte. Worte, die auch Bürgermeister Bruno Walter gerne hörte. „Ja, wir wollen Pfingstweid und die Menschen mit Handicap in die Stadt holen. Das ist eine Chance und eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten“, so seine Einschätzung.

Dass in Zeiten, in denen auch in Behinderteneinrichtungen Corona die Richtung vorgibt, Abstand nicht mit Distanz gleichzusetzen ist, das demonstrierte Manne Lucha anschließend bei vielen freundschaftlichen Kontakten, in denen von Klienten natürlich auch die Sorgen und Nöte während des Corona-Lockdowns angesprochen wurden. „Er war schon komisch, so lange nur noch daheim zu sein. Ich habe die Maschinen und meinen Arbeitsplatz sehr vermisst“, sagte Heimbeirat Erich Haller, während Thorsten Pitzke der aktuellen Situation immerhin noch etwas Positives abgewinnen konnte. „Halbtagsarbeit im Sommer ist auch ganz schön“, meinte er verschmitzt. Etwas ganz Besonderes hatte sich Harald Roth ausgedacht. Er überreichte Sozialminister Manne Lucha ein selbstgezeichnetes Portraitbild als Geschenk.