08.03.2018

Mit strukturiertem Ehrenamt Angebote schaffen

Mit der Ehrenamtskoordinatorin Nora Gollob legt die Diakonie Pfingstweid bewusst den Fokus auf die freiwilligen Helfer

Im Oktober hat Nora Gollob hat ihre Stelle als Ehrenamtskoordinatorin angetreten. Die Diakonie Pfingstweid hat damit eine Stelle geschaffen, die den Ehrenamtlichen und Mitarbeitern eine Ansprechpartnerin bietet und der ehrenamtlichen Betreuung eine Struktur geben soll. Hintergrund der Schaffung sind auch das Bundesteilhabegesetz, Abrechnungsmechanismen und der Wunsch der Diakonie, Menschen mit Behinderung einen bunten Alltag zu bieten.

 

Nora Gollob hat eine Vergangenheit in der Diakonie Pfingstweid: Vor ihrem Studium des Management- und Gesundheitswesens hat sie eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin in der Diakonie gemacht, dort als solche gearbeitet und Erfahrung in der Behindertenhilfe gesammelt. Nun baut sie – mit einem Beschäftigungsumfang von 50 Prozent – die Stelle der Ehrenamtskoordinatorin, die von der Aktion Mensch bezuschusst wird, auf. „Wir begeben uns auf eine Reise“, erläutert Lars Kehling, pädagogischer Vorstand der Diakonie. „Keiner kann präzise sagen, was dabei überhaupt aufgebaut werden soll. Es muss sich aus der Tätigkeit selbst ergeben.“

 

Erste Grundsätze kann die Ehrenamtskoordinatorin schon umreißen: „Die Ehrenamtlichen leisten einen wertvollen Beitrag. Mir ist es wichtig, dass ehrenamtliche Mitarbeiter professionell begleitet werden, dass sie einen zuständigen Ansprechpartner haben, dass sie sich weiterbilden können und dass sie die Möglichkeit haben, sich mit ihren Interessen und Erfahrungen einzubringen.“ Innerhalb der vergangenen Monate hat sich Gollob einen Überblick verschafft in welchen Bereichen wie viele Ehrenamtliche eingesetzt sind, welche Motive und Ziele diese haben, hat im weiteren Verlauf organisatorische Rahmenbedingungen gefasst.

 

Insgesamt zählt die Diakonie rund 90 Ehrenamtliche. Gollob schätzt die Zahl derer, die regelmäßig aktiv sind, auf 50 bis 60. Die Aufgabengebiete seien unterschiedlich und vielseitig, reichen von der Dialysebegleitung über diverse Urlaubs- und Freizeitangebote bis hin zur Unterstützung von Veranstaltung.

 

Mehr als einfach Daseinsvorsorge

 

Die Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen habe eine lange Tradition in der Diakonie, so Kehling. Doch eine Person, die koordiniert, die nachfragt, die schaut, ob es Beschwerden oder Unstimmigkeiten gibt, habe es bisher nicht gegeben. Gollobs Funktion liegt damit in der Koordination, im Management, in der Aquise. „Dabei geht es nicht darum, dass wir die hauptamtliche Versorgung zurückfahren wollen“, so Kehling. „Wir wollen das Niveau der Versorgung halten. Dafür müssen wir auch andere Personen in die Tätigkeit reinholen.“ Es gehe um die Finanzierung von Arbeit, um Ressourcen, die an einer Stelle eingesetzt, an der anderer Stelle fehlen. „Das vor der Tür stehende Bundesteilhabegesetz geht noch viel mehr in die Richtung, dass nur noch tatsächlich durchgeführten Maßnahmen abrechenbar sind und die tatsächlich durchgeführten Maßnahmen orientieren sich sehr an der Sozialhilfe.“ Dabei handele es sich um die Grundversorgung und um Dinge, die sich auf konkrete Inhalte bezögen. Die Flexibilität, die die Diakonie in der Vergangenheit noch hatte, zu sagen, was für sinnvoll erachtet wird – zum Beispiel, dass Wohngruppen etwas miteinander unternehmen und erleben, fänden sich in so etwas nicht wieder. „Dennoch sagen wir: Unser Anliegen ist es den Alltag der Menschen mit Behinderung bunt zu gestalten. Heißt: Es geht um mehr als eine Grundversorgung und einfache Daseinsvorsorge. Wenn die Regelfinanzierung, die es gibt, nicht mehr diese mögliche Kreativität und Freiraum bietet, so etwas anzubieten, dann müssen wir neue Wege finden“, sagt Kehling.

 

Neue Wege, die die Diakonie auch mit Ehrenamtlichen gehen will. Kehling: „Es heißt nicht, dass Ehrenamtliche in der Lage sind, die Aufgaben eines hauptamtlichen Mitarbeiters zu tun. Aber wenn man eine Gruppe von Menschen mit Behinderung hat, die anspruchsvoll sind, weil man fachliches Wissen braucht und hohe Präsenz, ist man auch in der Vergangenheit zu zweit losgezogen. Zu zweit geht nicht mehr, aber wenn eine Fachkraft mit einem Ehrenamtlichen die Gruppe betreut, dann sind plötzlich Dinge wieder möglich.“

 

Anja Reichert, Schwäbische Zeitung Tettnang 8.03.2018

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