21.08.2019

Selbständig - sinnliches Gartenerleben

Sich im Freien an der frischen Luft frei bewegen können, in der Erde graben oder unbeschwert mit Wasser herumspritzen dürfen: Im Erlebnisgarten der Diakonie Pfingstweid e.V. sehen, hören, riechen und spüren Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf, was in der Natur um sie herum passiert.

Der vor drei Jahren initiierte Garten entwickelt sich durch Charity-Projekte und Spendenaktionen ständig weiter; sein Erfolg animiert die Verantwortlichen außerdem zur Planung einer weiteren Außenanlage, wo Spiele und Aktivitäten für Klientinnen, Klienten und vor allem auch Kindern aus der Umgebung offenstehen.

 

Faszinierende Farb- und Klangwelt

Ein Klient schiebt eine Schubkarre, in die er begeistert die ersten Herbstblätter legt, ein anderer spaziert gemütlich in Richtung eines kleinen Hügels, den ein Sonnenblumenfeld krönt. „Einige unserer Klientinnen und Klienten fasziniert vor allem auch die Klang- und Farbwelt, wo sie oft lange, zum Teil auf dem Boden sitzend, beobachten, wie sich das Licht durch die farbige Glaswand bewegt, oder wo sie den Tönen lauschen, die der Wind den Klangschalen entlockt“, berichtet Astrid Stephan, Bereichsleiterin Tagesstruktur und Initiatorin des Erlebnisgartens. „Hier können sich Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf selbstständig bewegen, großzügige Treppenstufen alleine bewältigen, Gerüche wahrnehmen, den Untergrund auf dem Barfußpfad und den Wind in der Schaukel spüren. Hier erleben sie, wie Salat wächst, wie er geerntet wird und dann auf den Tisch kommt.“

 

Vielfältiges Engagement

Die Idee für den Erlebnisgarten hatte Astrid Stephan, als der neue Förder- und Betreuungsbereich (FUB) im Juli 2016 fertiggestellt wurde. Rund 25 Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf verbringen ihren Alltag hier, etwa die Hälfte von ihnen wohnt auch am Standort Pfingstweid. „Früher wuchs vor dem Gebäude eine wilde Wiese. Schön sowas, aber für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf ohne Begleitung unzugänglich“, berichtet die Initiatorin. „Durch eine Vielzahl an Einzelaktionen ist die Wiese zu einem Erlebnisgarten geworden, der sich durch das vielfältige Engagement ständig weiterentwickelt.“ Noch im Sommer 2016 kamen 70 Studierende der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt aus Nürtingen-Geislingen nach Tettnang und fertigten Entwürfe an. Im Herbst dann folgte das erste Charity-Projekt mit rund 55 Auszubildenden der Firma ifm electronic GmbH, eines langjährigen Partners der Diakonie Pfingstweid e.V.: Mit einem Budget von nur fünf Euro Startguthaben bestand ihre erste Aufgabe darin, Spenden zu akquirieren. Anschließend befassten sie sich – in kleineren Gruppen und begleitet von einer Coaching-Agentur – mit Aufgaben wie Projektleitung, Einkauf, Öffentlichkeitsarbeit, Catering oder Produktion. Sie legten Fundamente und Stromkanäle, pflanzten Bäume, bauten eine Gartenhütte.

 

Ein lebendiges Projekt

Weitere Charity-Projekte folgten, insbesondere auch in Kooperation mit der Gotthilf-Vöhringer-Schule (Ravensburg-Weissenau). In Projektarbeit entwickelten Schülerinnen und Schüler zum Beispiel die Farb- und Klangwelt und installierten sie im Frühjahr 2018. Weitere Förderer haben den Erlebnisgarten mit Pflanzen, Anlagen und Geräten sowie einer Nestschaukel ausgestattet. Die Pflege und Instandhaltung des Gartens erledigen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übrigens gemeinsam mit den Klientinnen und Klienten selbst. „Der Erlebnisgarten lebt durch die Menschen – die Menschen vor Ort ebenso wie die Sponsoren und Förderer“, freut sich Astrid Stephan. „Um das Engagement zu honorieren, haben wir eine Spendentafel angebracht – mit Platz für weitere Engagements. Wir haben nämlich noch viele Ideen, träumen zum Beispiel von installierten Wasser- oder Lichtspielen, die man auch von drinnen beobachten könnte.“ Der Erfolg des Erlebnisgartens animiert die Verantwortlichen darüber hinaus zu einem neuen Projekt: Eine Spiel- und Aktivitätenwiese soll auf Basis eines heilpädagogischen Konzepts Erwachsene mit Behinderung fördern, aber auch Kinder ansprechen und ihnen Gelegenheit zu sozialem Engagement bieten.

 

Spenden kann man unter dem Kennwort „Erlebnisgarten“ oder „Spiel- und Aktivitätenwiese

IBAN: DE37 6905 0001 0025 0000 50

BIC: SOLADESIKNZ (Sparkasse Bodensee)

 

Foto 1: links Nora Gollob, rechts Astrid Stephan

Foto 2: links Astrid Stephan, rechts Nora Gollob