30.06.2021

So steht die Diakonie in Sachen Corona da

Die Impfungen an der Diakonie laufen bereits seit Februar

Ein doppelt geimpfter Klient der Diakonie Pfingstweid ist vor Kurzem beim Antigen-Schnelltest positiv getestet worden. PCR-Tests brachten dann Entwarnung bei ihm und seinen Kontaktpersonen. Die Quarantäne war schnell wieder aufgehoben. Lars Kehling wirkt recht entspannt, als er von dieser Episode berichtet. Natürlich nehme er das ernst, sagt der Pfingstweid-Vorstand. Doch mit der Situation rund um den Jahreswechsel 2020/21 hat das nur noch wenig zu tun, als ein befürchtetes Ereignis eintrat.

In mehreren Gruppen brach da Corona aus. Das Glück in dem Fall war damals, dass die Symptome für die Betroffenen zwar durchgehend alles andere als schön waren. Ins Krankenhaus aber musste niemand. Die Verläufe waren nicht schwer, auch Todesfälle gab es nicht.

Bei anderen Trägern gerade im Bereich der Altenhilfe sah das vollkommen anders aus. Über allen Einrichtungen schwebte diese Gefahr wie ein Damoklesschwert. Das Problem: In allen Einrichtungen sind die besonders verletzbaren Gruppen, sei es durch Alter oder Vorerkrankungen.

Kehling bewertet das in der Nachbetrachtung als absoluten Glücksfall, dass die Folgen bisher so glimpflich waren. Zum einen sei das Haus C auf dem Kerngelände verschont geblieben. Hier ist der Betreuungsbedarf (und auch die grundsätzliche Gefährdung) ihm zufolge besonders groß.

Heißt: Wäre es hier zu einem Ausbruch gekommen, hätte es mit dem Glück auch schnell vorbei sein können. Zum anderen war es ab Februar möglich, in die Impfungen einzusteigen. Da galten Menschen im Tätigkeitsfeld der Diakonie Pfingstweid als vorgezogene Prioritätsgruppe zwei.

Zuerst kamen die Bewohner des Hauses C dran. Dann Personen über 75 Jahre. Danach bekamen auch weitere Klienten und Mitarbeiter das Impfangebot. In diesen Tagen laufen die letzten Impfungen der Genesenen durchs mobile Impfteam. „Bei den Klientinnen und Klienten haben wir eine Impfquote von über 95 Prozent“, sagt Kehling.

Auch bei den Mitarbeitenden geht er von einer hohen Impfbereitschaft aus. Allerdings werde diese nicht erfasst, Insofern handelt es sich um eine Einschätzung. Die aber beruht darauf, dass er von vielen mitbekommen hat, dass sie entweder beim Kreisimpfzentrum Termine wahrgenommen haben. Oder dass Beschäftigte das Angebot angenommen hatten, wenn mobile Impfteams im Einsatz waren.

Auch wenn er das nicht mit Zahlen belegen kann, nimmt er keine Diskussionen rund um die Sinnhaftigkeit von Corona-Maßnahmen im Allgemeinen wahr. Bei manchen überwiegt eher das Gegenteil. Derzeit, sagt Kehling, könne man in der Region mit der niedrigen Inzidenz und den Öffnungsschritten lokal begrenzt fast das Gefühl haben, als sei die Pandemie bereits vorbei.

Vor zwei Wochen habe die Welt hier vor Ort im Bodenseekreis noch ganz anders ausgesehen. So manche Mitarbeitende fragten sogar, ob man wirklich schon so weit mit der Öffnung gehen solle. Den Grund dafür sieht er darin, dass jeder bei den beiden Ausbrüchen bei der Pfingstweid habe sehen können, welche Auswirkungen das auf die Betroffenen und die Arbeit habe. So finde es niemand schön, den ganzen Tag in voller Schutzmontur zu arbeiten. Und auch wenn die Symptome nicht zum Krankenhausaufenthalt geführt hätten, hätten manche doch sehr unter der Erkrankung gelitten.

Doch angesichts der niedrigen Inzidenz und der hohen Impfquote gibt es Erleichterungen und veränderte Abläufe. Zum einen ist das Testzentrum auf dem Pfingstweid-Gelände Geschichte. Mittlerweile sind alle Mitarbeitenden in der Anwendung von Antigenschnelltests geschult.

Angehörige müssen sich weiter anmelden, können die Tests aber jetzt vor Ort an den Wohngruppen machen. Um weiter einen Überblick über das Pandemiegeschehen an den Standorten zu haben, werden alle Geimpften und Genesenen weiter einmal in der Woche getestet, alle anderen zwei Mal. Mitarbeiter sind zweimal in der Woche dran oder zusätzlich auf freiwilliger Basis.

„Die Tests geben auch Sicherheit“, sagt Kehling. Denn auch geimpfte oder genesene Personen können das Coronavirus übertragen. Halt eben in erheblich weniger Fällen, und das Risiko einer schweren Erkrankung ist bei diesen ebenfalls stark gesenkt.

Was Kehling beschäftigt, ist neben der Öffnung die Frage der Abrechnung der zusätzlichen Leistungen. Die Mehrkosten liegen ihm zufolge für die gesamte Zeit der Pandemie bis heute bei insgesamt 321 000 Euro. Davon entfallen 230 000 Euro auf letztes Jahr. Und 91 000 Euro Zusatzkosten sind auf das erste Halbjahr 2021 entfallen. Das ist bisher die Eigenleistung der Diakonie Pfingstweid.

Allerdings laufen gerade auch Gespräche mit dem Träger der Eingliederungshilfe (also der Behindertenhilfe), dem Landkreis. Auf die von Kehling genannte Summe entfallen neben dem pflegerischen Sachaufwand, also auf Schutzmaßnahmen, auch Reinigungskosten, der erhöhte Personalaufwand, Mindereinnahmen durch unbelegte Zimmer oder durch die verringerte Produktion im Vergleich zu den Vorjahren.

Für die Diakonie spielen auch Fragen abseits von Corona eine große Rolle., wenn es um die Zukunft geht. Die pflegegerechten Häuser am Standort sind mitten im Bau. Diese entsprechen dem KfW-55-Standard, aber für die Energieversorgung aus der bisherigen Heizzentrale gilt das nicht. Das muss bis 2023 umgestellt sein, sonst hat das negative Folgen für die Förderung.

Eine Möglichkeit ist die Einrichtung eines Nahwärmenetzes, das dann auch die Nachbarschaft versorgen könnte. Standort könnte der Bereich der Landwirtschaft der Pfingstweid sein. Es gibt laut Kehling auch bereits ein konkretes Angebot eines möglichen Betreibers, aber die Prüfung läuft derzeit noch. Das könnte dann später auch ein energetischer Aktivposten bei einer noch zu planenden Siedlung auf dem Pfingstweidgelände sein.

Wie es jetzt erst einmal in Sachen Corona weitergeht, da kann Kehling letztlich wie auch andere nur spekulieren. Für den „Mikrokosmos Pfingstweid“, sagt er, sei er positiv gestimmt. Die Impfquote sei hoch, vielleicht gebe es irgendwann eine regelmäßige Corona-Impfung. Was ihm Sorge bereitet, sind die äußeren Faktoren. Etwa die Frage, ob es nach den Sommerferien wieder eine steigende Inzidenz wie im letzten Jahr gibt.

Artikel: Schwäbische Zeitung 30.06.2021 Mark Hildebrandt
Bild: Diakonie Pfingstweid e.V.

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