21.02.2019

Wenn die Tanzfläche zum Treffpunkt wird

Single Disco

Bei der "Single-Party für Menschen mit Behinderung" in der Tanzschule No. 10 wird gefeiert, getanzt und geflirtet

Die Musik ist klasse. Zweimal zu bitten braucht man sowieso niemanden. Also nichts wie rauf auf die rappelvolle Tanzfläche und ordentlich Gas geben. Man spürt Spaß an der Bewegung, hört ein fröhliches Durcheinander der Stimmen. Pure und ansteckende Lebenslust allerorten. Und wer weiß, vielleicht können die richtigen Tanzschritte den einen oder die andere ein wenig beeindrucken und zu ersten Kontakten führen.

Keine Frage: Es war ein Abend, der im wahrsten Sinne des Wortes allen Beteiligten zu Herzen ging. Und das nicht nur, weil jede Menge herzförmige Luftballons an der Decke hingen. Die Offenen Hilfen der Diakonie Pfingstweid hatten in Kooperation mit den Zieglerschen und der Lebenshilfe Bodenseekreis zur „Singleparty für Menschen mit Behinderung“ in die Häfler Tanzschule No. 10 eingeladen. Die Resonanz war überwältigend.

Rund 150 junge und junggebliebene Erwachsene kamen – aus Friedrichshafen, Tettnang, Wilhelmsdorf, dem Deggenhausertal, aus Überlingen und darüber hinaus. Zum Beispiel auch der 20-jährige Pirmin aus Kluftern. „Wirklich eine tolle Stimmung hier. Partys und tanzen, das gefällt mir. So etwas dürfte es von mir aus wirklich öfters geben“, sagt er begeistert. „Normalerweise bin ich nicht so mutig, zu solchen Veranstaltungen zu gehen. Aber heute sind so viele Bekannte da. Da dachte ich mir, irgendwie wird es schon laufen“, meint Silvia aus Ottobeuren. „Einen Partner zu finden ist in meiner Situation schwierig“, sagt die 48-jährige Rollstuhlfahrerin. „Aber ich tanze leidenschaftlich gern. Am liebsten zu Volksmusik oder Schlager.“

Ein Ort der Begegnung

Initiiert wurde der Abend von Diplompädagogin Brigitte Kraft von den Offenen Hilfen der Diakonie Pfingstweid und von Sozialpädagogin Fabienne Schnurr von den Ambulanten Diensten der Zieglerschen am Standort Kluftern. „Es ist unglaublich wichtig, dass man Menschen mit Behinderung aus ganz unterschiedlichen Orten die Gelegenheit bietet, sich zu treffen“, sind sie sich einig. „Es geht darum, sich kennenzulernen, vielleicht auch einen Partner zu finden. Eine Tanzschule bietet dazu natürlich einen ganz anderen Rahmen als eine herkömmliche Behinderteneinrichtung“, so der Dank auch an die ausrichtende Tanzschule No. 10. „Wir arbeiten seit vielen Jahren traditionell gut zusammen“, bestätigt Tanzschul-Inhaber Thomas Schütze. „Wir bieten gerne immer wieder mal Tanzkurse an und haben auch zwei ständige Line-Dance- und Hip-Hop-Tanzgruppen für Menschen mit Behinderung im Programm.“

Zurück auf die Tanzfläche. DJ Thomas Blum zieht mit Evergreens wie „Cotton Eye Joe“ oder „Country Road“ alle Register. Hits wie „Viva Colonia“ oder Lieder von Helene Fischer kommen ganz besonders gut an. Für ein buntes Rahmenprogramm mit einer Hip-Hop-Show und Animationstänzen ist gesorgt. Im Vorfeld durften sich alle Tanzfreudigen für einen „Herz-Button“ in einer Ampelfarbe entscheiden. Rot heißt „Bin glücklich vergeben. Reden erlaubt“. Mit einem gelben Button wird signalisiert „Ich möchte nur flirten“ und Grün bedeutet „Ich bin auf der Suche nach einem Partner“. Darüber hinaus ist jeder Button mit einer Nummer versehen. Wer will, darf also einen nummerierten „Liebesbrief“ bei einem Betreuer oder dem DJ abgeben. Und tatsächlich: Schon nach kurzer Zeit werden rund 20 Liebesbotschaften zur Abholung aufgerufen.

 

Brigitte Geiselhart, Schwäbische Zeitung Friedrichshafen 21.02.2019

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