21.03.2020

Zum Schutz vor Corona: Diakonie Pfingstweid zieht die Mauer hoch

Sonst herrscht an Frühlingstagen geschäftiges Treiben auf dem Gelände der Diakonie Pfingstweid. Jetzt herrscht Leere.

Leer ist es auf dem Gelände der Diakonie Pfingstweid geworden. Es gibt ein Zutrittsverbot für die Gebäude der Einrichtung. Dort hinein kommen nur noch Mitarbeiter oder Bewohner. Und auch wenn die Zugänge zum Gelände offen sind, ist das Ziel: Auch dieser Bereich sollte ebenfalls diesen beiden Personengruppen vorbehalten bleiben. Pfingstweid-Vorstand Lars Kehling sagt: „Im Zentrum all dieser Maßnahmen steht, die Menschen hier vor Ort zu schützen.“

Denn grundsätzlich fallen die Klienten der Pfingstweid in die Risikogruppen, die eben besonders gefährdet sind: Da sind Menschen mit Behinderung, Alte und auch Pflegebedürftige. Aus diesem Grund hat auch der Hofladen mittlerweile geschlossen, sagt Kehling: Es gebe einfach zu viele Querverbindungen zu den genannten Gruppen. „Wir rüsten uns für den Ernstfall“, sagt der Pfingstweid-Vorstand.

Wo sich die Diakonie in normalen Zeiten über jeden Besucher auf dem Gelände freut, sollen Stopp-Schilder Fußgänger vor dem Hintergrund der jetzigen Situation dazu auffordern, das Gelände der Diakonie zu meiden und drumherum zu gehen. Je nach Entwicklung könne es aber auch irgendwann passieren, dass es später eventuell Absperrungen an den Eingängen ins Gelände gebe.

Die Wohngruppen bleiben jetzt komplett für sich. Das Ziel ist, dass die Kontaktpersonen die gleichen bleiben. Das heißt auch, dass es keinen Wechsel von Mitarbeitern zwischen Wohngruppen gibt, wie Kehling erklärt. Und: Wenn ein Klient auf dem Gelände unterwegs ist, begleitet ihn stets jemand vom Personal. Ziel ist es, Menschen aus verschiedenen Wohngruppen voneinander fernzuhalten, was auch gut funktioniere.

Bereiche wie die Kantine oder Treffpunkte sind mittlerweile geschlossen, um ein Zusammentreffen von Menschen aus unterschiedlichen Wohngruppen zu verhindern. Die versorgen sich mittlerweile selbst, seit es keine zentrale Essensversorgung mehr gibt. Und: Auch Klienten aus externen Wohngruppen dürfen das zentrale Pfingstweidgelände nicht mehr betreten.

„Alle versuchen, das Beste aus der Situation zu machen“, erläutert Kehling im Telefonat. Was später noch wichtiger werde, würde jetzt eingeübt und funktioniere auch schon gut, lobt er seine Mitarbeiter. Für die wird es gerade auch in den Werkstätten jetzt stressiger als sonst. Denn dort dürfen mittlerweile keine Menschen mit Behinderung mehr betreut werden. Das Personal sei weiterhin dort, sagt Kehling, und erledige die Aufträge im Rahmen seiner Möglichkeiten.

Man fahre auf Sicht. Ziel ist, den Betrieb weiter aufrechtzuerhalten. Immerhin würden sich die Werkstätten im freien Markt bewegen und anderen Unternehmen zuliefern. Diese seien über die Situation informiert.

Wenn ein Bewohner und seine Familie sich entscheiden, den Angehörigen mit nach Hause zu nehmen, so Kehling, „dann gibt es erst mal keinen Weg zurück“. Das sei auch an die Angehörigen kommuniziert. Sprich: Wer einmal Wohngruppe und Gelände verlassen hat, kommt erst zu einem späteren Zeitpunkt nach der Corona-Krise wieder auf das Diakoniegelände. Ansonsten wäre die Ansteckungsgefahr zu groß, auch wenn der Rückkehrer keine Symptome zeigen sollte.

Neu aufgenommene Patienten müssen erst einmal zwei Wochen in Quarantäne, so die Vorgabe. Der Aufwand sei sehr hoch: „Aber man will auch niemand seinem Schicksal überlassen“, sagt Kehling. Vielleicht werde man einen Modus finden. Ein Hindernis könnte die erforderliche Schutzkleidung sein. Das bezeichnet Kehling als „große Sorge“, denn die sei knapp. Es gehe nicht um Klientelpolitik, betont Kehling, aber wenn es um die Versorgung mit dieser Ausrüstung gehe, „dürfen wir nicht vergessen werden.“

 

Foto: Diakonie Pfingstweid e.V.

Artikel: Mark Hildebrandt, Schwäbische Zeitung, 21.03.2020

Links